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David Frum: ''Präsident optimistischer als der Papst''

(La Stampa, September 13, 2006)

Von Maurizio Molinari (aus New York)

»Wenn man den Text der Regensburger Rede des Papstes liest, hat man den Eindruck, der Papst habe sogar noch weniger Vertrauen als Bush in die Möglichkeit einer Erlösung des Islam vom Dschihad.« Für David Frum, Spitzenname der Neokonservativen und Politologe des American Enterprise Institute in Washington, ist Joseph Ratzingers Analyse »tiefer und radikaler« als jenes des derzeitigen Bewohners des Weißen Hauses.

Worin liegt der Unterschied?

»Die Grundfrage hinsichtlich Osama ben Laden ist, ob er mehr mit François Fenelon gemein hat oder mit den alten Wurzeln des Islam. Für den amerikanischen Präsidenten handelt es sich um eine wahre und eigentliche Nacheiferung Fenelons, eine extrem oberflächliche Interpretation des Islam, während der Papst mit Klarheit gesagt hat, daß dieser Integralismus wenigstens aus dem fünfzehnten Jahrhundert kommt.«

Sagen Sie damit, der Papst habe Bush in der Analyse und Verurteilung des Dschihad übertroffen?

»Für den Papst handelt es sich um ein Problem, das aus dem Herzen der muselmanischen Religion entsteht. Also ist es ein theologisches Problem. Für Bush dagegen ist es ideologisch.«

Glauben Sie, daß die Stellungnahme von Benedikt XVI. auf irgendeine Weise mit dem Weißen Haus koordiniert war, zumal gerade die Verurteilung des Dschihad im Mittelpunkt der jüngsten öffentlichen Reden von Bush stand?

»Es ist schwer zu sagen, ob es eine wahre und eigentliche Koordination zwischen Bush und dem Papst gegeben hat. Es könnte sich aber um einen Dialog auf Distanz zwischen zwei Führern handeln, die sich entschieden haben, dasselbe Problem anzugehen, im selben Augenblick, aus verschiedenen Blickwinkeln>.